Schlosspark Belvedere (Weimar)

Der 43 ha große Schlosspark Belvedere wurde zu Zeiten Herzog Ernst Augusts I. in den Jahren 1728 bis 1748 ursprünglich als repräsentative, barocke Gartenanlage in strengem französischem Stil um das Schloss herum angelegt. Direkt hinter dem Schloss entstand ein sternförmiger Tiergarten und im östlichen Teil des Parks wurde eine Orangerie errichtet. Die 1731 begonnenen Gebäude der Orangerie wurden in ihrer ersten barocken Fassung, nach den Entwürfen des Landbaumeisters Johann Adolph Richter, um 1750 fertiggestellt. Im Jahre 1760 folgte das Lange Haus, und 1808 wurde das Ensemble der Orangerie noch um das Neue Haus erweitert.

Nach 1758 setzte eine allmähliche Auflösung der symmetrischen Gartenstruktur ein. So ließ man unter anderem die das Schloss umgebenden Kabinettsgärten entfernen, und auch einige Baulichkeiten verschwanden. Ab 1811 erfolgte unter Erbgroßherzog Carl Friedrich die Umgestaltung im Sinne eines englischen Landschaftsparkes mit zahlreichen Architekturen und Schmuckplätzen im Hangbereich. Für seine Gemahlin, die Zarentochter Maria Pawlowna, ließ Carl Friedrich 1811 bis 1815 den regelmäßig gestalteten Russischen Garten anlegen, an den 1823 ein kleines Heckentheater und 1843 der Irrgarten angefügt wurden, der sich an den Laubengang anschließt. Der russische Garten ist eine Miniaturnachbildung des Höchsteigenen Gartens an der Sommerresidenz der Zaren in Pawlowsk. In ihm steht auch ein nach der Schwester der Großherzogin, Anna Pawlowna, benannter Blauglockenbaum. Die Umfassungsmauer des Schlossparks wurde 1844/45 endgültig entfernt, was den Übergang in den angrenzenden Wald ermöglichte.

Die Orangerie, die ursprünglich nur der Repräsentation dienen sollte, erreichte mit ihren Belvederer Pflanzensammlungen um 1820 als Hortus Belvedereanus sogar Berühmtheit. Durch August Wilhelm Dennstedt wurde 1820 unter Mitwirkung des Hofgärtners Johann Christian Sckell auch die erste Lieferung eines Pflanzenverzeichnisses realisiert, die bei Friedrich Justin Bertuch erschien. Johann Wolfgang von Goethe und Großherzog Carl August weilten in jener Zeit oft zu naturwissenschaftlichen Studien und botanischen Versuchen in den Belvederer Gewächshäusern. In den Jahren 1818–1821 wurde der sogenannte Rote Turm neben dem Langen Haus am Blumengarten errichtet, der eine Ausmalung von Adam Friedrich Oeser erhielt (heute wieder rekonstruiert) und als botanisches Kabinett genutzt wurde. Außerdem diente der Turm als Teehaus.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Ausformung der Parkanlagen, die seit 1842 nach den Vorschlägen von Fürst Pückler-Muskau erfolgte, in ihrer heutigen Form eines nachklassisch-romantischen Landschaftsparks mit Schmuckplätzen, Wasser- und Grottenanlagen, sentimentalen Denkmalen und Ruinenarchitekturen, abgeschlossen. An den Gebäudeensembles ist die Barockanlage noch ablesbar.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Schloss weitgehend verschont. 1945 richtete die Rote Armee ihre Kommandantur im Schloss ein. 1946 erfolgte im Bereich zwischen Belvederer Allee und dem Schlossgebäude die Anlage eines zentralen Sowjetischen Friedhofes für die Besatzungsmacht in Thüringen. 1937/38 war er als Ehrenfriedhof für die Nationalsozialisten durch Fritz Sauckel angelegt worden. Nach Kriegsende wurden die wenigen Bestatteten auf den Weimarer Hauptfriedhof umgebettet. Von 1946 bis 1975 fanden hier weit über 2.000 Beisetzungen von sowjetischen Militär- und Zivilpersonen statt.

Im Jahre 2004 konnte eine umfassende Restaurierung der Gärten weitgehend abgeschlossen werden. Die Orangerie nebst Gärtnerhaus beherbergt heute immer noch exotische Pflanzen, die, im Sommer ins Freie gestellt, für ein mediterranes Flair der gesamten Anlage sorgen. Eine historische Kanalheizung sorgt im Winter für die richtigen Temperaturen. Ein Teil des Gebäudekomplexes diente bis 2000 als Ausstellungsraum für Kutschen, Jagdwagen und Reisecoupés des 18. und 19. Jahrhunderts aus dem ehemaligen großherzoglichen Fuhrpark. Das Kutschenmuseum befindet sich im Schloss zu Auerstedt.

In einem landschaftsarchitektonisch ebenso vorsichtig wie gelungen in das Gelände eingefügten Neubau nördlich der historischen Schlossanlage befindet sich heute das Musikgymnasium Schloss Belvedere.

(Quelle: Wikipedia)

Schloss und Park Weimar Belvedere

99425 Weimar

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