Pfaueninsel

Die Pfaueninsel liegt in der Havel im Südwesten Berlins. Sie ist ein zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehörender 67 Hektar großer Landschaftspark und steht seit 1990 gemeinsam mit den Schlössern und Parks von Sanssouci in Potsdam und mit dem Schloss Glienicke in Berlin als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Die Pfaueninsel ist eng verbunden mit wichtigen Ereignissen und Personen der brandenburgisch-preußischen Geschichte.

Zwischen dem Festland und der Insel verkehren die kleine Personenfähre Louise (Baujahr 1968), die 25 Personen aufnimmt, und eine zwanzig Tonnen schwere Wagenfähre (22 Meter), die ein Auto und 150 Personen transportieren kann. Die Fähre wird von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten betrieben und ist tagsüber im Einsatz. Seit 2011 verkehrt eine neue Fähre (Baujahr 2011), die – wie schon die alte – Personen und Fahrzeuge transportieren kann.

Die Pfaueninsel bestand ursprünglich aus zwei Teilen: einer größeren Südinsel und einer kleineren Nordinsel. Die östlich der heutigen Bucht Parschenkessel gelegene Hechtlaichwiese ist der vermoorte Teil der ehemaligen Wasserrinne. Obwohl die Insel bereits in der Bronzezeit besiedelt war, blieb die Natur lange Zeit sich selbst überlassen. Landwirtschaftlich genutzt wurde die Insel zunächst um 1683 zur Kaninchenzucht und später als verpachteter Hutewald. Die 1795 im Zuge der Schlossbebauung im Nordteil der Insel errichtete Meierei nutzt bis heute die sie umgebenden Flächen zur Viehhaltung. Von der ehemals auf der Insel befindlichen Menagerie exotischer Tiere sind heute nur noch die mit dem Eiland namentlich verbundenen Pfauen angesiedelt. In unmittelbarer Nähe vom Schloss Pfaueninsel finden sich in gärtnerischer Pflege der Runde Garten und der Rosengarten. Sie sind wie die übrigen Flächen der Insel Teil des von Lenné entworfenen Landschaftsparks. Das Konzept Lennés sah für weite Teile der Insel den Erhalt des alten Baumbestandes vor, sodass neben einem durchdachten Wegenetz vor allem bis heute erhaltene Sichtachsen den wesentlichen Eingriff des Gartenarchitekten in die Natur der Insel darstellten.

Nachdem es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pläne gab, die Pfaueninsel ähnlich der Havelinsel Schwanenwerder mit Villen zu bebauen, gelang es dem Entomologen Wolfgang Stichel zusammen mit der staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, die Insel am 28. Februar 1924 als eines der ersten Naturschutzgebiete Berlins auszuweisen. Begründet wurde diese Maßnahme mit dem Vorkommen seltener Pflanzen und schützenswerter Vogelbrutstätten. Die aktuell gültige Verordnung stammt vom 28. Juni 1941. Heute ist die Insel als Natura-2000-Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Teil des Besonderen Schutzgebietes Westlicher Düppeler Forst. Das Naturschutzgebiet umfasst 88,3 Hektar Fläche, wobei 68 Hektar auf die Landfläche der Insel und der Rest auf die umgebende Ufer- und inselnahe Wasserfläche entfallen.

Ein Großteil der Insel ist Wald. Zu den bemerkenswerten Bäumen gehören die teils mehrere hundert Jahre alte Eichen, die zum Teil auch freistehen. Vor allem die partiell oder vollständig abgestorbenen Bäume bieten ideale Lebensräume für Vögel und Insekten, für Moose, Flechten und Pilze. So finden sich hier beispielsweise die seltenen Käferarten Eremit und Großer Eichenbock. Neben Eichen und anderen einheimischen Baumarten gibt es auf der Insel zahlreiche exotische Bäume, die auf Pflanzungen des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Zu diesen Bäumen gehören Ginkgo, Kolorado-Tanne, Sumpf-Eiche, Tulpenbaum und Weiße Maulbeere. Eine weit über 100 Jahre alte Libanon-Zeder, ursprünglich ein Geschenk des Sultans des Osmanischen Reiches, Abdülhamid II., an Kaiser Wilhelm II., fiel im Januar 2007 dem Orkan Kyrill zum Opfer und wurde später durch eine Neupflanzung ersetzt.

Neben Waldflächen gehören Wiesen zum Landschaftsbild der Insel. Als Teil der Landschaftsplanung Lennés entstanden, findet sich hier häufig Sandtrockenrasen mit typischen Pflanzen wie Früh-Segge, Gemeine Grasnelke, Heide-Nelke und Raublättriger Schaf-Schwingel. Seltener sind auf der Insel Pflanzen wie Ähriger Ehrenpreis, Blaugrünes Schillergras, Frühlings-Segge und Karthäuser-Nelke, die basenreiche Böden bevorzugen. Daneben gibt es im Bereich der Heidewiese charakteristische Heidepflanzen wie das Besenginster, Heidekraut und Wacholder. Die als Hechtlaichwiese bezeichnete vermoorte Landenge im Norden der Insel ist heute eine Feuchtwiese. Zum Pflanzenbestand dieses Gebietes gehören Goldsegge, Sumpf-Segge, Steif-Segge, Ufer-Segge, Kuckucks-Lichtnelke, Rohrglanzgras, Schilfrohr, Sumpffarn, Sumpfplatterbse und Wasser-Schwaden. Am Rand der Hechtlaichwiese finden sich zudem Augentrost, Großer Klappertopf, Kanten-Lauch, Langblättriger Blauweiderich und Mariengras.

In den flachen Bereichen der zum Naturschutzgebiet gehörenden Uferzonen gehören Röhrichte zum Landschaftsbild. Zu den dort vorkommenden Arten zählen Braunes Zypergras, Röhricht-Brennnessel und Sumpf-Teichfaden. Die Röhrichtbestände sind ein bevorzugtes Brutgebiet für verschiedene Vogelarten, wie Teichrohrsänger oder Drosselrohrsänger. Weitere auf der Pfaueninsel anzutreffende Vogelarten sind Schwarzmilan, Buntspecht, Schwarzspecht, Grünspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Kormoran, Nachtigall und Pirol, gelegentlich ein im Bereich der Unterhavel ansässiger Seeadler.

Die historischen Gebäude der Insel sind nicht nur Teil des Weltkulturerbes, sondern dienen auch als Lebensraum verschiedenen Tierarten. So nutzen Fledermäuse wie das Große Mausohr oder die Wasserfledermaus die Gebäude als Winterquartier.


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